Dreiundvierziger - Der Südseeblog
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    Unheilig - Große Freiheit

    Freitag, den 26. Februar 2010

    2010: Der Graf präsentiert sein neues Werk, den Nachfolger zu dem aus meiner Sicht eher durchwachsenen Puppenspiel. Bei Unheilig&Friends hatte ich ihn wieder live gesehen und fand das absolut überzeugend, dort spielte er zwei Stücke aus diesem neuen Album. Unter deiner Flagge, bei dem ich nur dachte – oh Gott, bitte kein An deiner Seite Teil 2… Der andere Song war Für immer und ging sofort super ab. Somit war ich doch sehr gespannt auf dieses Album, befremdlich fand ich dann allerdings die Dauerberieselung auf RTL 2 mit Geboren um zu leben… Irgendwie auch mal wieder wie An deiner Seite… und inzwischen ahne ich wie dieses Album entstanden ist. Mit einem Brainstorming zum Thema Meer und Seefahrt, das alles eingebettet in die typischen Unheiligmelodien. Und alles schön Vivatauglich mit angezogener Handbremse. Aber beginnen wir am Anfang.

    Das Meer beginnt mit einem Nebelhorn, Hafensounds und typischen Unheiligsynthies – kurzum mal wieder eine Einführung in das Album. Ist ja auch gar nicht schlecht und die Idee, alles zum Thema Meer zu machen eigentlich auch nicht, aber bitte bitte nicht dermaßen platt. Ich suche die Sterne und den Mond und das Licht am Horizont – so heißt es im zweiten Song Seenot - der ist aber zumindest noch ganz gefällig. Und wer sich gleich die Limited Edition des Albums zulegt bekommt noch eine frühe Rohfassung einiger Stücke mitgeliefert, die noch etwas rauer und besser wirken. So auch Für immer. Nicht originell, aber live sprang wie gesagt der Funke sofort über, auf dem Album ist das einfach nur noch eine lahme Pussyversion. Und bei der weiten Seereise durch die Platitüden gibt es danach Geboren um zu leben. Alles so platt, kein Zwischen-den-Zeilen-lesen mehr nötig. Kitsch trieft aus den Boxen. Und man kann nur sagen was dieses Album betrifft: Dieser Weg wird kein leichter sein… für Freunde des alten, besseren Grafen allerdings…

    Abwärts geht es niveaumäßig weiter, etwas härter, aber das gibt es mit Maschine oder Kleine Puppe schon so unendlich viel besser von Unheilig. Halt mich ist dann die neunmillionste Version von Mein Stern, der Erdball dreht sich mit der Flut, in diesem Augenblick bleibt nur das was wichtig ist. Aha.

    Unter Feuer und Ich gehöre mir strotzen nur vor Einfallslosigkeit und Selbstzitaten, furchtbar-dazwischen der lahme Titeltrack Große Freiheit. Willkommen in meinem Leben hieß es früher, bald heißt es wohl: Willkommen bei Carmen Nebel. ..

    Nach der neunmillionsten Version von Mein Stern folgt hier die neunmillionenunderste: Heimatstern, und oh ja-das ist eine Ballade. Und weil der Unheiligfan 2010 offensichtlich vergesslich ist folgt darauf gleich noch Sternenbild. Ich gebe aber zu, dass mir das noch am besten gefällt von diesem Album – immerhin erreicht der Graf hier mal das gute Niveau vergangener Tage. Darauf folgt aber auch gleich mit Unter deiner Flagge das für mich schlechteste Unheiliglied. Merkt er es selbst noch?

    Ferne Welt ich komme, ich kann deine Lichter seh’n – so heißt es in Fernweh. Bezeichnend genug, dass ich das hier noch als besseren Song bezeichnen muss, allenfalls Unheilig-Mittelmaß, aber dafür ist man hier ja schon dankbar. Denn das belanglose Schenk mir ein Wunder kann man sich leider ebenso schenken wie das gesamte Album. Auf Kurs ist noch mal eine bessere, schnellere Nummer, zum Ausklang folgt das Instrumental Neuland. Damit macht er nichts falsch. Aber versöhnen können mich Unheilig damit nicht mehr.

    Fazit: Der geneigte Unheilighörer schüttelt enttäuscht, wütend oder ungläubig den Kopf, hier gibt es keine Ecken und Kanten mehr, nichts mehr zum Nachdenken und von den Melodien her wird auch nur sporadisch Neues geboten. Wer also den vivatauglichen Massengraf hören möchte ist hier bestens beraten, wer wie ich den Goldenen Zeiten nachtrauert hört die Alben bis zum Puppenspiel und vergisst, dass es diese Band noch gibt.

    Geheimakte 2 – Puritas Cordis

    Mittwoch, den 25. März 2009

    Nina Kalenkow ist zurück. Nachdem sie mal eben im sehr guten ersten Teil „Geheimakte Tunguska“ die Welt rettete ist nun erstmal Erholung angesagt. Erholung, auch von Max. Die sich im ersten Teil anbahnende Beziehung endete wohl recht schnell, und nun will sich die hübsche Rothaarige einfach nur noch erholen. Und was eignet sich da besser als eine Kreuzfahrt?
    Doch bereits im Hafen stirbt ein Mensch vor ihren Augen. Nur ein Zufall? Vulkansausbrüche und sonstige Naturkatastrophen bestimmen das Weltgeschehen. Zufälle? Und eine den Weltuntergang prophezeiende Sekte namens Puritas Cordis findet in diesen Zeiten immer mehr Anhänger…

    Ohne zu viel verraten zu wollen: Mit dem Tod im Hafen beginnt für Nina ein neues Abenteuer, denn an Bord des Schiffes häufen sich die Ungereimtheiten. Gegenstände verschwinden, Menschen gehen über Bord – oder war das alles nur ein Traum? Schon bald zweifelt man am eigenen bzw. Ninas Verstand und ehe man sich versieht wird die eigene Welt im wahrsten sinne des Wortes auf den Kopf gestellt. Doch das alles hat gerade erst begonnen und führt über einige, realistische, wunderschön gemachte Orte bis zu einem furiosen Finale. Von der Nordsee, geht es über Ausgrabungsstätten in Frankreich nach Paris, wogegen sich Max von vorn herein in Indonesien befindet.
    weiter…

    Geheimakte Tunguska (PC)

    Montag, den 23. Februar 2009

    Wir schreiben das Jahr 2006. Das Adventuregenre erfreute sich wieder größerer Beliebtheit, einige hochklassige Titel waren erschienen: Black Mirror, Still Life, The Moment of Silence oder Runaway. Jedoch hatten diese auch allesamt Mankos: Von unnötigen Laufwegen, umständlichen Dialogsystemen, teils liebloser Synchronisation, nervigen Logikrätseln, noch nervigerer Pixelsucherei bis hin dazu, dass man Gegenstände erst nehmen kann oder findet, wenn man sie braucht. Und dann kam Nina.

    Nina Kalenkow, die Heldin in dem Spiel des deutschen Entwicklers Fusionsphere Systems, machte dies alles besser. Komfortable Funktionen, wie dass man sich alle Hot Spots per Druck auf die Leertaste anzeigen lassen kann, dass es eine integrierte Lösungshilfe gibt oder dass unnötige Laufwege vermieden werden. Kurzum: Geheimakte Tunguska war das komfortabelste Adventure, das bis zu dem Zeitpunkt erschienen ist. Natürlich ist das nicht alles, und die Frage ist: Kann auch der Rest überzeugen?

    Ein tolles Intro saugt einen sofort in die Geschichte. 1908 geschah ein mysteriöses Flammeninferno in Tunguska im tiefsten Sibirien. Lange vergessen, bis der Vater von Nina Kalenkow von merkwürdigen Robenträgern entführt wurde. Natürlich ist da ein Zusammenhang, und Nina und ihr Freund Max (teilweise kooperativ spielbar) machen sich auf, die Geheimnisse zu entschleiern. Was nun beginnt, ist eine spannende Abenteuerreise quer um die Welt mit zahlreichen, fantastisch aussehenden Schauplätzen, guten Animationen und seltsamen Typen. So ist man unter anderem mit der Transsib unterwegs, in alten Burgruinen in Irland, es geht nach Kuba sowie nach China.

    Synchronisation und Musik sind ebenfalls gelungen, die Stimmen wirken glaubwürdig und passend. Dialoge lassen sich jederzeit abkürzen, wenn man das möchte. Ein großer Knackpunkt sind natürlich immer die Rätsel – gerade hier hat man ganze Arbeit geleistet. Profis mag das fast zu einfach sein, ich finde das angemessen. Denn es ist alles logisch nachvollziehbar, mit ein bisschen nachdenken kann man immer auf eine Lösung kommen und die Geschichte kommt gut voran. Geheimakte Tunguska spielt sich also sehr flüssig und angenehm. Und kommt man einmal nicht so recht weiter, bleibt immer noch ein Blick in die Rätselhilfe, die nicht plump sofort alles verrät, sondern erstmal nur Tipps gibt. Außerdem werden in einem Tagebuch wichtige Begegnungen, Geschehnisse und Schriftstücke aufgeführt, so dass man jederzeit noch einmal nachlesen kann und nicht den faden verliert..

    Einziger Kritikpunkt für mich ist, dass die Geheimakte teilweise etwas bieder daherkommt. Die anspielungen an Filme, serien oder andere Adventurehelden sind oft doch etwas bieder. Ebenfalls ist die Story zwar spannend und gut inszeniert, bleibt aber eben hinter der Klasse eines Black Mirror zurück.

    Sei es drum: Geheimakte Adventure ist trotz allem ein Tipp für Adventurefreunde – und muffel, denn spielenswert und unterhaltsam ist die Reise nach Tunguska allemal. Wer die normale Version besitzt, sollte sich auf jeden Fall den Patch 1.02 herunterladen, denn das auf Wunsch der Fans implementierte alternative Ende erzählt, wie es mit den im Spiel getroffenen Charakteren weitergeht. Und das ist einfach sehr nett gemacht. Klein, unscheinbar und ohne großes Brimborium kam Geheimakte Tunguska daher. Doch in Punkto Komfort setzte es Maßstäbe und lehrte die übermächtige Konkurrenz das Fürchten. Völlig zurecht wird es als eines der besten Adventures der letzten Jahre bezeichnet.

    Da es inzwischen für nur noch 10 Euro zu haben ist, kann man bedenkenlos zuschlagen wenn man sich ein bisschen für Adventures begeistern kann. Alle anderen sollten sicherheitshalber noch mal die Demo anspielen.

    Musikrückblick 2008

    Samstag, den 10. Januar 2009

    Mit Radioheads “In Rainbows” ging das Jahr schon mal ziemlich genial los. Bei der Band mag ich schon gar nicht mehr von guten Alben reden, seit OK Computer kein Durchhänger, eine ganz eigene Liga. Marillions “Happiness is the Road” ist auch wieder ganz stark, obwohl ich ein paar Anlaufschwierigkeiten damit hatte. Leider bisher nur auf mp3, ich hoffe das kommt dann bald mal als richtiges Album? David Gilmour legte mit Live in Gdansk ein fantastisches Konzert hin, festgehalten auf CD bzw. DVD. Tolle Versionen von Pink Floyd-Klassikern, sowie sein aktuelles Soloalbum “On an Island” macht auch endlich Spaß. Mit von der Partie war der leider kurze Zeit später verstorbene Richard Wright. Sehr empfehlenswert. R.E.M. boten dieses Jahr mit Accelerate ein sehr gelungenes Rockalbum, endlich mal wieder wird die Gitarre ausgepackt, rau und spaßig. Sie können es einfach noch. Portishead machen wenige Alben, wenn dann aber richtig und so kann mich “Third” wieder begeistern. Kopfhörerpflicht.

    Eisbrechers “Sünde” ist ein gelungener Nachfolger zu Antikörper. Wie immer überzeugen mich nicht alle Songs, aber was soll man dazu auch sagen: Eisbrecher muss man einfach live sehen, alles andere ist nicht das selbe. ASP brachte den genialen Zaubererbruder, für mich sein stärkstes Album bisher und das Livewerk Akoasma. Auch hier ist live sehen Pflicht! Der Graf und seine Unheiligen erfreuten uns mit einem schönen Livealbum “Puppenspiel live - Vorhang auf”, das mir viel besser Konzert als die beiden Konzerte die ich dieses Jahr von ihm gesehen habe (m’era luna und Hannover). Das Puppenspiel-Album hingegen tritt etwas auf der Stelle, wenige sehr gute Songs, ansonsten kennt man alles einfach schon. Kein Problem als Grafneuling, wohl ein Problem, wenn man die anderen Alben kennt. Alexander Veljanov sorgte mit “Porta Macedonia” für das überraschendste Album. Hätte ich nie erwartet, dass das so gut wird!

    Was noch war:
    Spock’s Beard legten ihr stärkstes ohne-Neal-Morse-Livealbum vor, Neal Morse hingegen ein sehr ordentliches Solowerk mit Lifeline. Er erfindet das Rad nicht neu, aber hält seit Jahren den Standard - und der ist nicht gerade niedrig. Es ist allerdings die Special Edition Pflicht, es wartet eine zweite CD mit Spielfreude pur. Hier hat jemand viel Spaß an der Musik. Langeweile geht anders.

    Zum Abschluss noch was zu Guns n’ Roses Chinese Democracy: So schlecht finde ich es gar nicht. Es ist einfach anders als die Use your Illusion - Alben, aber es gibt doch sehr starke Songs. Schade nur, dass Brian May nicht mehr dabei ist.

    Und wo ich ihn grade erwähne: Queen & Paul Rodgers “Cosmos rocks”: Lässt mich etwas zwiespältig zurück. Die Stimme von Rodgers ist klasse und die passt auch sehr gut zu May bzw. Restqueen. Aber leider bleiben die richtigen Blueskracher, die man nun erwarten könnte in der Unterzahl. So plätschert es teilweise dahin. Schade, da wäre mehr möglich gewesen, gerade, wenn man sieht wie Paul Rodgers einige Queen-Klassiker wie Hammer to Fall bringt. Ganz anders als Mercury, aber trotzdem spitze. Ein Ausnahmesänger ist er ohne Frage. Hardrock 2008 ist nicht das langweilige Death Magnetic von Metallica, sondern das stark nach vorn rockende Forever More von Tesla. Ein Album ohne Ausfall. Perfekte Musik um bei Rennspielen Highscores zu knacken.

    Hört!

    Reviews in einem Satz (1)

    Mittwoch, den 31. Dezember 2008

    Jack Sparrow ist klasse.

    Fluch der Karibik 1 9/10 (schöner Film, wenige Längen, genialer Johnnie Depp)
    Fluch der Karibik 2 6,5/10 (zieht sich doch etwas)
    Fluch der Karibik 3 8,5/10 (wieder viel besser als Teil 2, sehr lustiger Teil, einzig diese Calypsosache stört etwas, aber nun gut)

    Batman begins 8/10 (toll besetzt, düster, man sieht wo er sein Spielzeug her hat, vielleicht der “rationalste” Batman, weil wirklich mal versucht wird zu erklären warum er so ist wie er ist und wo er seine Tricks gelernt hat, wenige Längen)

    Batman Dark Knight 9/10 (toller Gegenspieler, tolle Besetzung, toller Film)

    Hellboy 6/10 (einige gute Szenen, der Hellboy selbst ist ganz lustig, sonst leider viel Leerlauf)

    Zoolander 8/10 (witzig, schräg, ich mag Ben Stiller, kurzweilig)

    Wer also Silvester noch nichts vorhat, kann hier gern mal schauen.

    Gutrutscht!

    ASP - Zaubererbruder (Der Krabat-Liederzyklus)

    Samstag, den 13. Dezember 2008

    „Ich bin ein Wendenjunge und muss barfuß betteln geh’n.“

    Das 2008 erschienene Doppelalbum ist die musikalische Umsetzung der Geschichte „Krabat“ von Ottfried Preußler. Diese basiert ja wiederum auf einer alten Sage aus dem Sorbischen. Jener Müller, der seinen Knappen die Kunst der schwarzen Magie beibringt. Krabat wird dort Lehrjunge und lernt dort „müllern und das andre auch“. In finsteren Nächten kommt der Gevatter in seiner unheimlichen Kutsche und bringt merkwürdige Säcke. Zum Jahresbeginn muss einer der Lehrjungen sterben, damit ein neuer nachrücken kann und der Müller weiterleben darf. Bis sich eines Tages Krabat in die hübsche Kantorka verliebt, die bei der schwarzen Mühle vorspricht um ihn freizubitten und den Bann zu brechen…

    Nach Requiembryo war ich etwas skeptisch was mich hier erwarten würde, denn „Krabat“ war schon immer eines meiner liebsten Bücher. Doch ich wurde positiv überrascht. Um es vorweg zu nehmen, klare Hits fehlen diesmal, dafür beschränken sich ASP aber auf das Wesentliche. Melodien, interessante Instrumentierungen, passende Songtexte. Besser kann man die Vorlage kaum umsetzen, aber auch hier ist natürlich klar dass der Gelegenheitshörer raus ist. Hier muss man auf Texte achten, genau zuhören. Gastsänger, - musiker sowie ASP selbst präsentieren sich in Hochform.

    Am bekanntesten ist vielleicht das Duett mit Eric Fish, das Titelstück des Albums.
    Hier gibt es weder Songs, die ganz besonders herausragen noch Ausfälle. Es ist alles wie aus einem Guss. Schon toll, wie z.B. „Elf und einer“ den Text vorantreibt, spielerisch leicht , spannend erzählt und getextet.

    Man muss einfach dieser düsteren Geschichte folgen, die Melodien genießen und den Zaubererbruder am besten komplett anhören. Denn mit diesem „eigentlich nur Zwischenalbum“ haben ASP geschafft, was ihnen mit dem Schwarzen Schmetterling verwehrt geblieben ist: Das perfekte in sich geschlossene Gothic-Rock-Album in deutscher Sprache. Die Verbindung aus Musik und Erzählung ohne Bruch. Eine musikalische Umsetzung, die im Gegensatz zum Film mehr als gelungen ist.

    ASP - Requiembryo

    Mittwoch, den 10. Dezember 2008

    Nach einer Pause erschien nun 2007 der fünfte und letzte Teil des Schwarzen Schmetterlings als Doppel-CD. ASP gehen hier weiter den Weg, den sie eingeschlagen haben. Mehr instrumentale Stücke als zuvor, auch wieder erzählte Passagen und bekannte Melodien und Elemente aus alten Alben, die rezitiert werden. Kurzum ist Requiembryo der Versuch, den perfekten Abschluss für den Zyklus zu finden. Und einige tanzbar-rockige Songs sollen dabei natürlich auch noch abfallen. Kurzum also - ein sehr ambitioniertes Werk sollte entstehen.

    Und das zeigt sich gleich in dem ersten Stück. Für mich vielleicht eines der besten, das ASP überhaupt geschrieben haben. Nur zur akkustischen Gitarre beginnt das Album, dazu Asps Stimme und schließlich entwickelt sich daraus ein überraschender Song, der in einen tollen Instrumentalteil übergeht. Diese „Offährte“ gehe ich doch gern ein, und noch lieber wäre mir, wenn das Ganze etwas länger gedauert hätte. So dsind das leider nur 6 Minuten und danach wird man auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. „Coming Home“ ist eine enttäuschende Nummer. Zu Zeiten von Weltunter wäre das noch ganz nett gewesen, zumal der Sound inzwischen auch satter geworden ist, aber hier wirkt das deplatziert.

    Rhythmische Trommeln und die Stimme von Asp reichen als Zutaten für „De Profundis“. Sehr hypnotisch, sehr sperrig, sehr gut. Mal nebenbei: Ich hätte nicht gedacht, dass das auf dem Konzert live so gut rüberkommt. Guter Spannungsbogen, aber gewöhnungsbedürftig und mal wieder was ganz anderes. Es ist schon toll wie vielseitig sich ASP präsentieren.

    Nach einer kurzen Erzählpassage erfolgt ein weiteres merkwürdiges :Duett von Asp mit seinem Alter Ego, dem schwarzen Schmetterling. „Das Minnelied der Incubi“ ist ein klasse Song, der mich im Refrain etwas an „Werben“ erinnert. :Duett, so hieß ja auch das zweite Album des Schmetterling-Zyklus.

    „Schmetterflug“ ist dann ein kurzes, atmosphärisch aufgeladenes Instrumentalstück, das das Thema des Schmetterlings wieder aufnimmt. Spätestens an dieser Stelle ist der Gelegenheitshörer raus aus der Nummer. Denn es kündigt sich für mich hier bereits das an, worunter das ganze Album etwas leidet: Es ist nicht aus einem Guss, vieles wirkt aufgesetzt. Scheinbar hat man sich enormen Druck gemacht hier unbedingt das beste Album aus dem Zyklus zu machen. Ansprüche sind gut, aber hier schlägt sich das etwas ins Gegenteil um, gerade auch dann beim folgenden „Frostbrand“. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht, wie man so schön sagt. Und so geht es einigen Liedern, es gibt gute Ansätze, aber (teilweise völlig unnötig) werden Bezüge zum schwarzen Schmetterling hergestellt (wie geil ist der Refrain von „Raserei“ und wie nervig der Rest des Songs). ASP zeigen immer wieder, dass sie es können und verstricken sich dann selbst scheinbar in den eigenen Vorstellungen.

    „Ich bin ein wahrer Satan“ ist natürlich wieder ein mehr als gelungener Song zum Thema Glaubhaftigkeit der Medien, allerdings war er ja auch vorher schon bekannt (und erschien auf völlig übertriebenen vier verschiedenen Maxi-CDs!). „Erinnerungen eines Fremden“ ist dann ein schönes, ruhiges aber bedrohliches Instrumental, „Raserei“ hätte einer der besten Songs des Albums werden können. Die erste CD des Doppelalbums wird vom kurzen, knackigen „Finger weg! Finger!“ abgeschlossen.

    Vermutlich haben sie dann abends zusammengesessen, sich die Aufnahmen angehört und gedacht „Das ist nicht sperrig, nicht ambitioniert genug. Jetzt hauen wir ein zweites Spiegelauge raus und machen alles nur noch viel länger.“

    So ungefähr muss es sich wohl zugetragen haben, denn der erste Song der zweiten CD, „Requiem“, dauert um 25 Minuten und ist ähnlich wie Spiegelauge einfach nur aus verschiedenen Elementen aufgebaut. Also anders als bei anderen Bands, wo sich ein Song über diese Zeit kontinuierlich entwickelt. Asps mönchartiger Gesang klingt zwar zunächst toll und als kurzes Intro hätte mir das noch gefallen, aber das ist viel viel viel zu lang. „Eleison 2: Mercy“ ist einfach nur überflüssig und nervig. Wenn man das nicht als Longtrack gemacht hätte, hätte man zumindest einfach die Skiptaste betätigen können. So muss man versuchen, vorzuspulen. Denn danach wird es etwas besser. Wieder rhythmisches Trommeln, wieder nur Asps Gesang und die Fortsetzung der Geschichte. Auch diese Passage ist mir einfach zu lang und so kommt fast schon Langeweile auf, bis sich das Ganze in „Nimm mich“, einen wirklich guten Song, wandelt. Auch „Sanctus/Benedictus“ kann absolut überzeugen, das träumerische „Lux Aeterna“ passt als Zwischenstück sehr gut ehe dann wieder mönchartiger Gesang zu härterer Gitarre das Ganze abschließt.

    Danach folgt der „Nekrolog“ des schwarzen Schmetterlings, hier wird quasi die bekannte Melodie des Stückes vom ersten Album genommen und die Geschichte fast zu Ende erzählt. Auf einem normalen Album hätte es das nicht gebraucht, hier und so ist dieses Back-to-the-Roots eben ganz nett.

    Es folgen dann zum Glück noch ein paar starke Songs: Ob das schön gesungene „Biotopia“ mit interessantem Text, das tanzbare (aber ebenfalls bereits vorher veröffentlichte) „How far would you go“ oder die Hymne „Nie mehr“.

    Das abschließende „Offährte (Reprise)“ dient nur als Ausklang des Albums, so was mag ich ja immer.

    Wie gern würde ich an dieser Stelle allein für das Vorhaben, das Ganze so umzusetzen die Höchstwertung zücken. Doch selbst bei mir, der ich ASP gern höre und schon einige Male live gesehen habe, stellt sich an manchen Stellen Langeweile ein. Es wurde versucht, alle vorangegangenen Alben in den schwarzen Schatten zu stellen, doch das gelingt nur in Ansätzen. Ohne Frage gibt es starke Songs, ohne Frage gibt es Momente, wo die Geschichte nur atmosphärisch erzählt oder in einem Instrumental dargestellt wird. Das ist toll. Aber genauso habe ich das Gefühl, dass man das Album vielleicht mal für ein halbes Jahr weglegen und dann nochmal hätte überarbeiten sollen. Denn vieles bleibt Stückwerk, wirkt überambitioniert. So stehen sie sich selbst im Weg.

    Und somit versinkt „Requiembryo“ in Regionen, die nicht nötig gewesen wären, denn das Potential ist doch vorhanden. Es gibt viele gute Songs, aber eben auch Leerlauf. Wer ein sperriges, interessantes Album in deutscher Sprache sucht, kann zugreifen, ASP-Fans greifen eh zu und alle Ersthörer greifen zu „Horror Vacui“.

    ASP-Aus der Tiefe

    Montag, den 8. Dezember 2008

    „Hörst du das Rufen – Tief in der Erde…“
    So erhebt sich Asps Gesang zu Beginn des Albums aus dem Nichts. Dann düstere Klänge, Geräusche, ehe die Melodie einsetzt. Von Beginn an wird bei diesem vierten Teil des Zyklus um den Schwarzen Schmetterling klar, dass ASP neue Wege gehen. Die Geschichte steht klar im Vordergrund, musikalisch wird es sperriger. Und wie ich finde besser. Erzählte Passagen runden das Album ab, Melodien werden in späteren Songs wieder aufgenommen.

    Und dennoch sind mit „Me“, dem textlich vielleicht etwas plakativen „Schwarzes Blut“ und natürlich der Single „Werben“ einige Hits dabei, wo man einfach nur mithüpfen möchte. „Aus der Tiefe“ ist ein Album, auf das man sich einlassen muss. Zum nebenbei hören eignet es sich nur bedingt, allein schon wegen der gelungenen hörspielartigen Passagen lohnt es sich einfach, das mal über Kopfhörer laufen zu lassen. Ein Album, auf dem es viel zu entdecken gibt.

    Absolutes Highlight ist das auf einem traditionellen Lied basierende „Ballade von der Erweckung“, ein etwa 9 minütiger Song getragen von Asps Stimme. Eine weitere Perle ist für mich „Ich komm dich hol’n“, was sie zum Glück sogar auch mal live spielen.

    Insgesamt bieten sich hier Melodien, Melodien, Melodien, spannende Texte und eine atmosphärische Geschichte. Durch die Übergänge und die erzählten Passagen ist „Aus der Tiefe“ allerdings sperriger als sein Vorgänger. Das zeigt auch der abschließende Songzyklus „Spiegelauge“, der bereits andeutet, wohin die Reise auf dem nächsten Album gehen wird. Auch wenn „Spiegelauge“ wohl ein zusammenhängendes Element sein soll, so ganz passt das dann nicht. Zu unterschiedlich sind die Teile, es wirkt auch etwas zu gewollt. Nett, aber nicht mehr, bewirkt es, dass „Aus der Tiefe“ die Höchstwertung verwehrt bleibt. Trotzdem aber natürlich ein sehr gutes Album, das aber leider nicht immer wie aus einem Guss wirkt.

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