Dreiundvierziger - Der Südseeblog
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    Die Welt der 43

    "Das Gewöhnliche, hier wirds Ereignis" - so hiess es schon bei Goethe - und hier wird dieser Satz Wahrheit, für die, die es wollen, brauchen und manchmal auch haben müssen.

    Unheilig - Große Freiheit

    2010: Der Graf präsentiert sein neues Werk, den Nachfolger zu dem aus meiner Sicht eher durchwachsenen Puppenspiel. Bei Unheilig&Friends hatte ich ihn wieder live gesehen und fand das absolut überzeugend, dort spielte er zwei Stücke aus diesem neuen Album. Unter deiner Flagge, bei dem ich nur dachte – oh Gott, bitte kein An deiner Seite Teil 2… Der andere Song war Für immer und ging sofort super ab. Somit war ich doch sehr gespannt auf dieses Album, befremdlich fand ich dann allerdings die Dauerberieselung auf RTL 2 mit Geboren um zu leben… Irgendwie auch mal wieder wie An deiner Seite… und inzwischen ahne ich wie dieses Album entstanden ist. Mit einem Brainstorming zum Thema Meer und Seefahrt, das alles eingebettet in die typischen Unheiligmelodien. Und alles schön Vivatauglich mit angezogener Handbremse. Aber beginnen wir am Anfang.

    Das Meer beginnt mit einem Nebelhorn, Hafensounds und typischen Unheiligsynthies – kurzum mal wieder eine Einführung in das Album. Ist ja auch gar nicht schlecht und die Idee, alles zum Thema Meer zu machen eigentlich auch nicht, aber bitte bitte nicht dermaßen platt. Ich suche die Sterne und den Mond und das Licht am Horizont – so heißt es im zweiten Song Seenot - der ist aber zumindest noch ganz gefällig. Und wer sich gleich die Limited Edition des Albums zulegt bekommt noch eine frühe Rohfassung einiger Stücke mitgeliefert, die noch etwas rauer und besser wirken. So auch Für immer. Nicht originell, aber live sprang wie gesagt der Funke sofort über, auf dem Album ist das einfach nur noch eine lahme Pussyversion. Und bei der weiten Seereise durch die Platitüden gibt es danach Geboren um zu leben. Alles so platt, kein Zwischen-den-Zeilen-lesen mehr nötig. Kitsch trieft aus den Boxen. Und man kann nur sagen was dieses Album betrifft: Dieser Weg wird kein leichter sein… für Freunde des alten, besseren Grafen allerdings…

    Abwärts geht es niveaumäßig weiter, etwas härter, aber das gibt es mit Maschine oder Kleine Puppe schon so unendlich viel besser von Unheilig. Halt mich ist dann die neunmillionste Version von Mein Stern, der Erdball dreht sich mit der Flut, in diesem Augenblick bleibt nur das was wichtig ist. Aha.

    Unter Feuer und Ich gehöre mir strotzen nur vor Einfallslosigkeit und Selbstzitaten, furchtbar-dazwischen der lahme Titeltrack Große Freiheit. Willkommen in meinem Leben hieß es früher, bald heißt es wohl: Willkommen bei Carmen Nebel. ..

    Nach der neunmillionsten Version von Mein Stern folgt hier die neunmillionenunderste: Heimatstern, und oh ja-das ist eine Ballade. Und weil der Unheiligfan 2010 offensichtlich vergesslich ist folgt darauf gleich noch Sternenbild. Ich gebe aber zu, dass mir das noch am besten gefällt von diesem Album – immerhin erreicht der Graf hier mal das gute Niveau vergangener Tage. Darauf folgt aber auch gleich mit Unter deiner Flagge das für mich schlechteste Unheiliglied. Merkt er es selbst noch?

    Ferne Welt ich komme, ich kann deine Lichter seh’n – so heißt es in Fernweh. Bezeichnend genug, dass ich das hier noch als besseren Song bezeichnen muss, allenfalls Unheilig-Mittelmaß, aber dafür ist man hier ja schon dankbar. Denn das belanglose Schenk mir ein Wunder kann man sich leider ebenso schenken wie das gesamte Album. Auf Kurs ist noch mal eine bessere, schnellere Nummer, zum Ausklang folgt das Instrumental Neuland. Damit macht er nichts falsch. Aber versöhnen können mich Unheilig damit nicht mehr.

    Fazit: Der geneigte Unheilighörer schüttelt enttäuscht, wütend oder ungläubig den Kopf, hier gibt es keine Ecken und Kanten mehr, nichts mehr zum Nachdenken und von den Melodien her wird auch nur sporadisch Neues geboten. Wer also den vivatauglichen Massengraf hören möchte ist hier bestens beraten, wer wie ich den Goldenen Zeiten nachtrauert hört die Alben bis zum Puppenspiel und vergisst, dass es diese Band noch gibt.

    Der Beitrag wurde am Freitag, den 26. Februar 2010 um 20:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter Review abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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