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43 des Tages
Die Welt der 43
"Das Gewöhnliche, hier wirds Ereignis" - so hiess es schon bei Goethe - und hier wird dieser Satz Wahrheit, für die, die es wollen, brauchen und manchmal auch haben müssen.
Geheimakte 2 – Puritas Cordis
Nina Kalenkow ist zurück. Nachdem sie mal eben im sehr guten ersten Teil „Geheimakte Tunguska“ die Welt rettete ist nun erstmal Erholung angesagt. Erholung, auch von Max. Die sich im ersten Teil anbahnende Beziehung endete wohl recht schnell, und nun will sich die hübsche Rothaarige einfach nur noch erholen. Und was eignet sich da besser als eine Kreuzfahrt?
Doch bereits im Hafen stirbt ein Mensch vor ihren Augen. Nur ein Zufall? Vulkansausbrüche und sonstige Naturkatastrophen bestimmen das Weltgeschehen. Zufälle? Und eine den Weltuntergang prophezeiende Sekte namens Puritas Cordis findet in diesen Zeiten immer mehr Anhänger…
Ohne zu viel verraten zu wollen: Mit dem Tod im Hafen beginnt für Nina ein neues Abenteuer, denn an Bord des Schiffes häufen sich die Ungereimtheiten. Gegenstände verschwinden, Menschen gehen über Bord – oder war das alles nur ein Traum? Schon bald zweifelt man am eigenen bzw. Ninas Verstand und ehe man sich versieht wird die eigene Welt im wahrsten sinne des Wortes auf den Kopf gestellt. Doch das alles hat gerade erst begonnen und führt über einige, realistische, wunderschön gemachte Orte bis zu einem furiosen Finale. Von der Nordsee, geht es über Ausgrabungsstätten in Frankreich nach Paris, wogegen sich Max von vorn herein in Indonesien befindet.
Ja, auch Max ist wieder dabei, und so übernimmt man auch im zweiten Teil mal Max, mal Nina oder auch beide im Zusammenspiel. Insgesamt kann man an verschiedenen Stellen des Spiels vier Charaktere übernehmen. Das ist sehr schön gemacht. Überhaupt greift Geheimakte 2 die Stärken des Vorgängers auf. Da wäre zunächst das immer nachvollziehbare, gute Rätseldesign mit integrierter Lösungshilfe im Spiel, die auch hier wieder nur Tipps gibt, aber nicht sofort die komplette Lösung bringt. Vorbildlich und genau so sinnvoll. Per Leertaste lassen sich zudem jederzeit alle Elemente anzeigen, mit denen man interagieren kann. Lästige Pixelsuchen wie bei Runaway sind damit passé. Es kann jederzeit abgespeichert werden, Zwischenszenen können abgebrochen und Dialoge beschleunigt werden. Unnötige, langatmige Laufwege sind nicht vorhanden und was in anderen Spielen nervt, wenn man sich an bestimmten Stellen wieder und wieder umziehen muss, so macht man das bei Tunguska eben genau einmal, danach vollzieht sich das an dieser Stelle automatisch. Anwenderfreundlicher geht nicht, genau so will ich das in jedem Adventure haben! Ebenfalls vorbildlich ist das wieder enthaltene Journal - hier werden wichtige Dialoge, Geschehnisse und aufgaben festgehalten, so dass man sie jederzeit nachlesen kann.
Auch die Inszenierung ist wieder absolut gelungen. Schöne Zwischensequenzen erzählen die Geschichte, schon gleich zu Beginn wird man als flüchtender Bischof in die Geschichte einbezogen, bevor man dann später am Hafen Nina übernimmt. Die Kapitel enden meist mit einem Cliffhanger, so dass man eigentlich am liebsten in eins durch spielen möchte. Zwischensequenzen, Schauplätze, Animationen – all das kann sich sehen lassen. Und hier fügt sich auch die Vertonung hervorragend ein. Soundeffekte (hier gibt es viel zu entdecken!) und Musiken (von dezent bis dramatisch) passen zum Spielgeschehen, die Synchronisation ist gut – aber nicht so perfekt, wie man es zum Beispiel von dtp kennt. Einige Stimmen fand ich unpassend, aber das ist geschmackssache. Ich hatte zumindest bei keinem den Eindruck, dass da einfach nur Texte emotionslos „heruntergeleiert“ werden.
Allerdings ist auch die zweite Geheimakte nicht frei von Kritik. Zunächst wäre da die Story selbst. Auch wenn das spannend inszeniert ist – spätestens nach der Hälfte des Spiels weiß man eigentlich, was hinter allem steckt. Dass man ab da überhaupt noch Lust hat weiterzuspielen, liegt an den oben genannten Stärken. Und wie auch der erste Teil nimmt sich diese Fortstzung nicht zu ernst, es gibt immer wieder nette Anspielungen, an das Genre, die Computerspieleindustrie, Serienhelden. Diese sind allerdings teilweise doch recht bieder, ein Problem, dass ja auch der Vorgänger hatte. Überhaupt kann dieser in den Punkten Story und Anzahl der Schauplätze mehr überzeugen.
Gut gemacht sind der Abspann und das Weltenretterzertifikat. Im Abspann wird erzählt, was mit den ganzen Charakteren nach dem Spiel passiert ist. Das ist deshalb schön, weil man die Abenteuer so noch mal Revue passieren lassen kann. Mir hat da natürlich am besten gefallen, dass der Frosch passenderweise als Frosch mit der Maske auftritt mit seinem Programm „Nur Fliegen sind schöner“…
In dem Zertifikat, das man nach dem Ende bekommt, werden einige Statistiken angegeben, was ja auch ganz interessant ist. Die Spielzeit bleibt allerdings deutlich unter 10 Stunden.
Wer ernstere Adventures mag kommt zumindest an Geheimakte Tunguska kaum vorbei (gibt es inzwischen für sehr günstige 10 Euro). Wem dieses gefällt, der kann sich dann gern an den zweiten Teil wagen und wird auch hier gut unterhalten. Denn Geheimakte 2 – Puritas Cordis ist genau das, was man von einem soliden Nachfolger erwarten kann und ein Beweis dafür, dass auch in Deutschland gute Spiele entwickelt werden.